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Gibt es in Wirklichkeit 13 Sternzeichen?

13. Sternzeichen – sind nun alle Horoskope falsch?

Diese oder ähnliche Meldungen tauchen seit Jahren und Jahrzehnten immer wieder in Zeitungen und anderen Medien auf. Reißerisch wird darauf hingewiesen, dass Wissenschaftler entdeckt haben, dass es nicht nur 12, sondern 13 Sternzeichen gebe. Das „neu erkannte“ 13. Sternzeichen, der Schlangenträger, befinde sich zwischen Skorpion und Schütze und müsse in die Deutung mit einbezogen werden. Die 13 Sternzeichen seien zudem unterschiedlich groß und würden an anderen Tagen beginnen als die von den Astrologen verwendeten – die demnach mit falschen Sternzeichen arbeiten sollen.

Falsch sind vor allem derartige Meldungen, und zwar in vielen Punkten:

Bereits der Begriff „Sternzeichen“ ist eine unsaubere Vermischung von zwei verschiedenen Begriffen, nämlich von Tierkreiszeichen und Sternbild. In Wirklichkeit gibt es also gar keine Sternzeichen, sondern es gibt 12 Tierkreiszeichen, und es gibt 88 Sternbilder, deren Grenzen 1928 festgelegt worden sind, ähnlich wie Ländergrenzen. Die Unterscheidung von Tierkreiszeichen und Sternbildern ist dabei absolut nichts Neues, sondern fand bereits in der Antike statt, als die damaligen Astronomen, die gleichzeitig auch Astrologen waren, Folgendes erkannten:

Die Fixsterne erscheinen von der Erde aus gesehen nicht fest am Himmel verankert, sondern ändern allmählich ihre Position im Jahreskreis, und zwar ungefähr alle 72 Jahre um einen Grad. Somit waren die Sterne unbrauchbar geworden für die Festlegung besonderer Jahresereignisse, die in allen Kulturen der Welt eine große Rolle spielten. Nicht aus Ignoranz gegenüber der Verschiebung der Sterne im Jahreskreis – sondern im Gegenteil wegen dieser Verschiebung – wurde der Tierkreis entwickelt, der sich ausschließlich an den Jahreszeiten orientiert.

Der Tierkreis wird also nicht durch die Sterne, sondern durch die wichtigen Wendepunkte im Jahreskreis definiert. Auf 0° Steinbock befindet sich die Wintersonnenwende, auf 0° Widder die Frühlingstagundnachtgleiche, auf 0° Krebs die Sommersonnenwende und auf 0° Waage die Herbsttagundnachtgleiche – egal welche Sternbilder sich hinter diesen Zeichen befinden. Auf Basis der genannten Wendepunkte wird dann der 360° große Jahreskreis in 12 gleich große Abschnitte à 30° unterteilt – unsere Tierkreiszeichen, von denen jedes im Jahreslauf dann rund 30 Tage dauert.

Erst als der Tierkreis entwickelt war, also in der Antike, wurden auch die Sternbilder definiert, wahrscheinlich zu Anschauungszwecken. So wurde in den Sternen hinter dem Abschnitt Widder eine Art Bock erkannt, in den Sternen hinter dem Abschnitt Stier ein Stierkopf mit langen Hörnern, in denen hinter dem Abschnitt Zwillinge hingegen eine Art Strichmännchenpaar usw. Ergänzend ist es hier wichtig, zu erwähnen, dass andere Kulturen ganz andere Bilder in den Sternenfigurationen sahen. So erkannten die Maya im Sternbild Zwillinge den Himmelsgott Itzamna, während die Chinesen in diesem Sternbild einen Brunnen zu sehen glaubten. Daher sind die Sternbilder vor allem Projektionen menschlicher Vorstellungen, im Gegensatz zu den Jahreszeiten.

Zudem gibt es ja nicht nur die 12 in Abhängigkeit zum Tierkreis definierten Sternbilder, sondern auch jene, die sich rund um die Himmelskugel gruppieren, wie etwa der Große Bär oder Orion. Insgesamt 48 Sternbilder waren bereits in der Antike bekannt, zu ihnen gehört auch der Schlangenträger, der sich nördlich über den Sternbildern Skorpion und Schütze befindet. Zur Zeit der Entstehung und Benennung von Tierkreiszeichen und Sternbildern wurde die Sternbildgrenze des Schlangenträgers jedoch oberhalb des Tierkreises gesehen, wobei die Sonnenbahn nur durch 12 Sternbilder lief.

Erst 1928 wurde also offiziell geregelt, dass jene kleinen Sterne, die in der Antike noch dem Sternbild Skorpion zugeordnet wurden, zum Sternbild Schlangenträger gehören sollten. Somit läuft die Sonne, kartographisch gesehen, von ca. 8° – 26° im Tierkreiszeichen Schütze zwar durch den Bereich vom Sternbild Schlangenträger – aber das ist egal, denn das Tierkreiszeichen Schütze, das sind die 30° im Jahreskreis vor dem Punkt der Wintersonnenwende. Unabhängig von den Sternen.

(c) Christine Keidel-Joura

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